• Community Roman - Kapitel 3

  • Kapitel 3

    Nachdem Yeran sich wie im Wahn in den geheimnisvollen Strudel des Sees gestürzt hatte, war äußerlich nicht mehr viel von ihm oder dem merkwürdigen Naturschauspiel zu sehen. Lediglich seine beiden Wassereimer lagen noch am Rand der kleinen Landzunge, die ein Stück weit in den See hineinragte. Eine große Esche stand ganz in der Nähe und spendete mit ihrem reichen Laub so viel Schatten, dass man sich am liebsten unter ihrem Blattwerk niedergelassen hätte, um dem Rauschen des nahen Wasserfalls zu lauschen und den Wellen des Sees bei ihrem tänzelnden Auf und Ab zuzusehen. Yeran hatte diese kleine Idylle nur allzu gut gekannt und sich dorthin zurückgezogen, so oft er Ruhe und Abgeschiedenheit brauchte. Doch an diesem Tag war alles ganz anders gekommen. Yeran saß nicht nachdenklich unter der großen Esche am See, um seinen Tagträumen nachzuhängen. Avril wartete auf ihren jungen Gehilfen, der ihr frisches Wasser für den Vorrat in der Siedlung bringen sollte. Und auch der alte Gooding, der schon eine ganze Weile mit seiner Suche nach Holzfällermeister Woods beschäftigt war, würde bald an seinen angestammten Platz zwischen den Siedlerhäusern zurückkehren.

    Doch wo war Yeran? Unser junger Steinhauer hätte diese Frage im Augenblick wohl selbst nicht so recht beantworten können. Eine geheimnisvolle Macht schien ihn in seinen Bann und schließlich auf den Grund des Waldsees gezogen zu haben, ohne dass er ertrunken wäre und ohne dass es ihm anderweitig schlecht ergangen wäre. Wer aber war es, der Yeran auf diese Weise in seinen Bann zog? Es gab in Taborea nur eine Handvoll Wesen, denen eine solche Machtfülle zu Gebote stand, dass sie mit den Wesen und Elementen dieser Welt gleichsam spielen konnten, ohne deren Gleichgewicht zu stören. Allen voran stand der Schöpfergott Ayvenas, dem alles Leben in Taborea seine Existenz verdankte. Ayvenas war gütig und weise, doch sein Eingreifen in die Welt der Sterblichen war selten geworden in diesen Tagen. Er hatte Taborea mehr und mehr sich selbst überlassen, nachdem er die Mysterien dieser Welt in seinem göttlichen Buch verewigt hatte. Dieses Schöpfungsbuch war mithilfe magischer Symbole geschrieben worden. Es heißt, Ayvenas habe eines Tages sein göttliches Buch zerrissen, wodurch dessen einzelne Teile über Taborea verstreut wurden. Auf diese Weise gelangten die magischen Symbole seines Buches in die Welt der Sterblichen, wo die Menschen sie fortan Runen nannten und in allen Teilen der Welt nach ihnen zu suchen begannen. Denn das geheime Wissen, das den Runen innewohnte, sollte den Menschen und allen Völkern Taboreas große Macht und ein tiefergehendes Wissen über die Welt verleihen, sobald ihre Zeit gekommen war. Ayvenas bestimmte mächtige Wesen, die als seine Boten im Geheimen über Taborea und die Entwicklung der Sterblichen wachen sollten. Seit dieser Zeit sind manche Jahrhunderte ins Land gegangen und Taborea hat zahllose Kriege und die Zerstörung ganzer Reiche mitansehen müssen. Die Oberhand gewannen dabei stets jene, die sich der Macht der Runen versichern konnten. Unter diesen Runenbeherrschern brach mit der Zeit ein Streit um die Vorherrschaft aus, sodass einige von ihnen so weit gingen, die gewaltigsten Kräfte der Runen auf sich selbst anzuwenden, um unsterblich und damit mächtiger als alle anderen zu werden. Aber ihnen wurde nicht die Art von Unsterblichkeit zuteil, die sie sich in ihrer Unersättlichkeit erhofft hatten. Zwar veränderten sich ihre Körper unter dem Einfluss der Runen, doch die verzehrenden Kräfte ihrer entfesselten dunklen Magie brannten ihnen das Fleisch regelrecht von den Knochen, sodass ihre sterbliche Hülle verfiel und durch einen Panzer aus verhornter und vernarbter Materie ersetzt wurde. Auf diese Weise entstanden die ersten Dämonen. Sie waren mächtige Wesen voller Hass und dunkler Magie, die nur noch wenig mit ihrer einstmals sterblichen Existenz gemein hatten. Diese Dämonen wären in der Tat fähig gewesen, die Elemente und Wesen Taboreas ihrem Willen zu unterwerfen. Doch die meisten von ihnen waren während der Großen Verbannung in die Welt der Leere getrieben worden, aus der es kein Entkommen mehr gab. Einzig der Dämonenfürst war mächtig genug, um den Völkern Taboreas zu jeder Zeit gefährlich zu werden, unabhängig davon, wo er sich aufhielt. Sein Verderben bringender Ruf hallte durch alle Sphären, während seine ungezügelten Kräfte in jedem Teil des Universums Chaos und Zerstörung bringen konnten. Doch wir wollen an dieser Stelle nicht weiter von seiner üblen Präsenz sprechen, um kein Unheil herauf zu beschwören.

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