• Community Roman - Kapitel 1

  • Kapitel 1


    Am Rande einer Lichtung nahe beim Waldsee lag die Pioniersiedlung. Diese Siedlung war ein kleiner Außenposten der Menschen am Rand der steil abfallenden Ausläufer, die von den Heulenden Bergen herabkamen und bis in die Ebenen und Täler reichten. Die Menschen hatten lange Zeit vergeblich versucht in diesem Gebiet Fuß zu fassen, da die Heulenden Berge immer wieder von Dämonen und anderen Übeln heimgesucht worden waren. Schließlich war es einer Schar mutiger Siedler und Krieger aber doch gelungen, die größte Bedrohung für ihre Siedlungen auszuschalten: den Spinnendämon Pirlanok.

    Manche sagen, Pirlanok sei so alt wie die Welt selbst gewesen und von großer Macht durchdrungen worden. Mithilfe seiner Spinnendiener hatte er die Menschen aus den Heulenden Bergen zu vertreiben versucht. Doch letzten Endes setzte der Held Logar diesem Treiben ein Ende, indem er den Dämon mit seinem magischen Speer erlegte und Pirlanoks Essenz in eine Höhle tief unter der Erde verbannte. Die Höhle im Toten Baum, wie die Menschen diesen Ort seither nannten, hielt den Dämon in seinem Innern gefangen, während in einem unscheinbaren Winkel des unterirdischen Geflechts Logars Speer stak und mit seiner Magie das Erdreich und die Überreste jener Kreatur versiegelte, die so viel Unheil über die Menschen gebracht hatte. Doch diese Ereignisse lagen weit zurück und es gab kaum noch jemanden, der von der Schlacht am Toten Baum hätte berichten können. Einzig der Name Logar war zu hohen Ehren gekommen, denn man hatte die größte Siedlung in den Heulenden Bergen nach ihm benannt.
     


    Von Logar aus führte eine Handelsstraße in südlicher Richtung zur Pioniersiedlung, wobei sie auf dem Weg zu den Talgrund-Minen eine kräftige Biegung nach Westen machte, bevor sie den kleinen Außenposten erreichte. Hier lebte Yeran mit seiner Familie, die als eine der ersten aus den nördlichen Gebieten gekommen war, um die Ländereien am Fuße der Heulenden Berge zu besiedeln und in den nahe gelegenen Minen nach allerlei Schätzen zu graben. Meratan Steinhauer, der Vater von Yeran, war als junger Mann mit kaum mehr als einer Spitzhacke und ein paar Habseligkeiten in diese Gegend gekommen, um als Schürfer und Bergmann in der Pioniermine sein Glück zu versuchen. Im Laufe der Jahre hatte er es zu einigem Wohlstand und Ansehen gebracht, sodass er nun nicht mehr tagaus tagein die dunklen Stollen und Gänge der Minen nach brauchbaren Vorkommen absuchen musste oder sich bei den Feuern der Schmelze abmühte, wo die wertvollen Erze aus den unterirdischen Adern zu Barren weiterverarbeitet wurden. Für diese Aufgaben waren inzwischen jüngere und kräftigere Burschen zur Stelle, denen Meratan geduldig Anweisungen gab, weil er wusste, dass allein Erfahrung gute Bergleute und Schmelzer aus ihnen machen würde.

    Als Mitglied der Steinhauer-Familie sollte Yeran im Laufe der Jahre selbst zu einem tüchtigen Bergmann und kundigen Schmelzer ausgebildet werden. Dieser Gedanke gefiel ihm zunächst, sah er doch dem arbeitsamen Treiben bei der Mine und an der Schmelze hinter der Siedlung gern zu. Besonders interessierte Yeran bei seinen Beobachtungen das Feuer. Die gleißende Helligkeit, die vom Glutherd im Inneren des Feuers ausging, so oft man es schürte, hatte es ihm besonders angetan, wobei ihm die Hitze und die schweißtreibende Arbeit an der Schmelze weniger gefielen. Meratan war die Haltung seines Sohnes zum mühsamen und kräftezehrenden Tagewerk der Bergleute nicht verborgen geblieben. Nur zu gern hätte er seinen Sohn beim alten Hansen in die Lehre gegeben, um ihn zu einem tüchtigen Bergmann und Schmelzer ausbilden zu lassen, der eines Tages seinen Platz als Vorsteher der Schmelze einnehmen würde. Doch so, wie die Dinge im Augenblick lagen, war Yeran kaum für diese Laufbahn geeignet. Sein Körper war zwar nicht gerade der eines schwächlichen jungen Mannes und sein Wuchs keineswegs klein, doch irgendetwas sagte Meratan, dass sein Sohn für harte körperliche Arbeit einfach nicht geschaffen war. Er kam wohl mehr nach der Mutter, dachte Meratan bei sich, so oft er seinen Sohn von Kopf bis Fuß betrachtete.

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